Montag, 5. Dezember 2016

Warum Erwachsen werden?

"die Kluft zwischen dem Sein und dem Sollen aushalten können"

„Erwachsen sein“ bedeutet die Kluft auszuhalten, zwischen dem, wie die Welt IST und dem, wie sie sein SOLLTE. Das, wie sie sein sollte, ist das Ziel am Horizont. Man wird es nie erreichen, aber wenn man in diese Richtung geht, kann man schon weit kommen. Wenn ein erfülltes Leben das Ziel ist, dann liegt das Glück auf dem Weg dorthin. Erwachsen sein erfordert also eine große Ambiguitätstolerenz. Es bedeutet für mich, gleichzeitig Idealistin und Realistin zu sein, und dabei den Spott derer ertragen zu können, die nur eins von beiden sehen wollen oder können.

"Erziehung ist die Ermöglichung von Erfahrungen"

Wenn Erwachsen sein bedeutet, die Kluft zwischen dem Sein und dem Sollen auszuhalten, was ist dann Erziehung? Auf den ersten Blick könnte man sagen, das Ermöglichen, sowohl das Sollen, als auch das Sein, kennen zu lernen und zu erleben. Ein Kind das in einer idealisierten Welt aufwächst hat vielleicht eine schöne Kindheit, könnte man zumindest vermuten. Aber wie soll es jemals in der Realität ankommen, ohne jede Ungerechtigkeit als massive narzisstische Kränkung zu erleben? Ein Kind hingegen, dass von, im schlimmsten Falle, auch noch völlig zynischen Eltern fortwährend auf die vermeintliche Realität vorbereitet wird, wie soll das seinen eigenen Weg finden? Nach welchen Werten, nach welchen Idealen soll es sich richten? Wie soll es sich selbst kennen und schätzen lernen, wenn es immer nur gelernt hat den Erwartungen anderer zu entsprechen und möglichst gut zu funktionieren?


Dieser Artikel ist aus dem Juli 2015 und wurde hier nach Überarbeitung noch mal veröffentlicht. 

1 Kommentar:

  1. Warum Erwachsen werden?

    Gut auf den Punkt gebracht. Danke

    Georg Zenker, Berlin

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