Montag, 5. Dezember 2016

Intelligente Bescheidenheit

"Brauchen wir wirklich Wettbewerb und Konkurrenz?"

Sozialer Vergleich, genauso wie Wettbewerb, Konkurrenz und Neid, sind immanente Bestandteile des Kapitalismus, es sind die Triebfedern von Wachstum und Fortschritt. Eine Forderung nach Bescheidenheit und Rücknahme ist also immer auch eine Systemfrage. Wenn wir aber das Vergleichen und damit das Gefühl der Benachteiligung reduzieren könnten, hätten wir einen positiven psychologischen Effekt für sehr viele Menschen. Wer nicht mehr danach strebt, mehr zu haben als sein Nachbar, kann seine individuelle Zufriedenheit von Anderem abhängig machen, als von seinem Kontostand. Zugegeben, und nicht zufällig, wird zB durch Werbung sehr viel unternommen, um das ständige Vergleichen aufrecht zu erhalten.

"Wohlstand für alle führt in den sozialen und ökologischen Abgrund"

Weiterhin nach (noch mehr) Wohlstand zu streben, wird uns sozial und ökologisch an den Abgrund führen. Denn wie eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt: Das Umweltbewusstsein spielt für das Klima nur eine geringe bis gar keine Rolle. Entscheidend für den CO2-Verbrauch ist das Einkommen: Steigt es, steigen auch die Ansprüche – und klimaschädliche Taten.

"Echte Armut will keiner"

Echte Armut, im Sinne einer mangelnden Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Kleidung, Nahrung, Wohnung und Gesundheit, ist schrecklich und kann niemand ernsthaft wollen oder fordern.
Bei relativer Armut hingegen, welche als Zustand gravierender sozialer Benachteiligung verstanden wird, geht es nicht um die Grundbedürfnisse, sondern um den Vergleich mit anderen.

Intelligente Bescheidenheit, im besten Falle im Sinne einer selbstwählten Genügsamkeit, könnte viele unserer sozialen und ökologischen Probleme entschärfen. Da sie aber, wenn es nicht nur Einzelfälle wären, unser Wirtschaftswachstum ernsthaft gefährden würden und damit zu einem anderen Wirtschaftssystem führen müssten, täten wir gut daran eben diesen Wechsel nicht by Desaster sondern by Design hervorzurufen.

"Selbstwählte Genügsamkeit und Absicherung durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen" 

Es sind vielfältige Zwischenschritte denkbar. Mir persönlich gefällt die Variante eines Bedingungslosen Grundeinkommens dabei am besten. Es würde uns vor echter Armut schützen und gleichzeitig den Druck reduzieren zwischen Dazugehören und arbeiten, koste es was es wolle, oder nicht Dazugehören und Existenzängste haben.

"Ich bin Wachstumsgegnerin"

Für mich persönlich wird das Bedingunglose Grundeinkommen gerade dadurch spannend, dass ich eine Wirtschaftswachstumsgegnerin bin. Ich halte eine Steigerung des BIP ums seiner selbst willen schlichtweg für falsch. Ein mehr an Geld, Konsum und Produkten dient letztlich Keinem. Konsumkritik, Ökologie und Klimaschutz lassen sich aber ohne ein BGE nicht sozialverträglich durchsetzen. Wer nach der Kant´schen Moraltheorie denkt, der prüft sein Handeln auf Allgemeingültigkeit. Mein Handeln schadet der Wirtschaft. Als, mal mehr, mal weniger, ausgeprägte Konsum- und Karriereverweigerin, bräuchte es ein BGE, um allgemein gültig werden zu dürfen.


Dieser Artikel ist aus dem Mai 2016 und wurde hier nach Überarbeitung noch mal veröffentlicht. 

1 Kommentar:

  1. Wohlstand für alle? Das kann nicht funktionieren. Nicht in diesem System. Neid ist Potentialunterschied. So wie in der elektrotechnik auch. und dies ist die treibende Kraft, die den Wohlstand einer Minderheit erarbeitet. Die erste "Matrix" hatte auch Wohlstand für alle vorgesehen. Hatte nicht funktioniert. Die "Matrix" ist zwar nur Fiktion, aber ich würde es auch so sehen.

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