Mittwoch, 13. April 2016

Was haben Campact und Pegida gemeinsam?


Ich habe mich gestern mit den Protesten gegen die erneute Glyphosat-Zulassung auseinandergesetzt. Dabei ist mir ein hässlicher Tonfall aufgefallen und eine relative Uninformiertheit. Ich möchte mich davon selbst nicht ausnehmen, denn meine eigene "Recherche" ist auch nicht über Wikipedia hinausgekommen. Und selbst dabei sind mir schon einige Dinge aufgefallen. Um was geht es eigentlich? Um Angst? Ist da schon wieder eine der Angstspiralen, über die ich in letzter Zeit häufiger stolpere? Angst vor dem Tod, vor Krebs, vor potentiell Krebserregenden Chemikalien? Bestimmt auch. Wobei ich, ehrlich gesagt, sachlich die Ergebnisse der WHO zum Glyphosat jetzt gar nicht so schockierend finde. Da gibt es deutlich gefährlicheres. ABER, vielleicht drückt die Angst vor Krebs durch Glyphosat auch etwas anderes aus. Und zwar eine Ohnmacht. Eine Ohnmacht staatlicher Regulierung gegenüber, der EU, oder dem "System". Und da finde ich dann eine deutliche Parallele zu Pegida und den "Lügenpresse"-Vorwürfen.
Ich verstehe diese Ohnmacht, ich empfinde sie auch. Wer möchte, kann sich den äußerst gelungenen Vortrag von dem Psychologie Professor Rainer Mausfeld: "warum schweigen die Lämmer?" ansehen. Spätestens danach spürt man diese Ohnmacht. Manche Soziologen sprechen deswegen von einer Demokratiekrise. Andere polemischer von einer faktischen Wirtschaftsdiktatur.
Und nun? Ich weiß es nicht.

Wenn ich anfange darüber nachzudenken, kommt gleich wieder die Frage nach dem Menschenbild auf. Wie sind "die Menschen" eigentlich? Mal angenommen, die industrielle Landwirtschaft gefällt uns  nicht. Vielleicht stört uns das Glyphosat, oder der Genmais, vielleicht die Massentierhaltung oder die Nahrungsmittelverschwendung. Mal wird der Staat aufgerufen zu regulieren, zB bei Pestiziden, mal der Verbraucher. Aber wenn man sich das Ergebnis anguckt, dann kommt wenig Hoffnung auf. Weder in den Parlamenten noch im tatsächlichen Konsumverhalten findet sich eine vernünftige Lösung. Trägheit, Faulheit, Angst, Geiz, Gier.... Ich kann keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Beweggründen der Politiker und denen der Konsumenten ausmachen. Mich selbst natürlich eingeschlossen. Oder vielleicht doch, nur sehr langsam?  Hmm, ich weiß nicht. Vielleicht ist es mit der Vernunft und der Urteilsfähigkeit doch nicht so weit her wie Kant uns glauben lässt. Aber bevor ich jetzt für eine erneute Unterwerfung unter eine höhere Macht plädiere, beende ich lieber diesen Text und gebe mich der Resignation hin. ;-)

Nein. Natürlich nicht. Denn so schlecht ist mein Menschenbild ja gar nicht. Ich glaube an das Gute in jedem von uns. Und ich glaube auch daran, dass sich etwas verändern kann. Und zwar nicht nur auf einem Wege, sondern auf ganz vielen. Und manche davon führen vielleicht sogar zu etwas Besserem. Ich möchte an dieser Stelle lieber Erich Fromm frei zitieren:  "Ärzte geben einen Patienten mit einer 5%igen Überlebenschance auch nicht einfach auf. Solange es noch einen Weg gibt, lohnt es sich auch noch dafür zu kämpfen. Auch wenn die Aussicht auf Erfolg gering ist. Sonst könnte man ja auch gleich von der nächsten Brücke springen."
Oder Berthold Brecht: "wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren." Motivation zur Veränderung ist in diesem Land durchaus erkennbar. Wir sollten nur aufpassen, keine Schattenkämpfe zu führen, sondern erstmal den Gegner ausfindig machen. Sonst kann das ganze auch schnell zum Bumerang werden.

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