Mittwoch, 20. April 2016

Real oder Digital?


Vor ein paar Jahren hat die Frauenzeitschrift Brigitte mal von sich reden gemacht, weil sie statt Models „normale“ Frauen für ihre Bilder fotografiert haben. Ich weiß nicht mehr warum, irgendwann haben haben sie es wieder geändert. Aber es sollte uns bewusst sein, wie sehr Medien unser Bild vom Körper verändern. Übrigens nicht nur von Frauen, inzwischen sind auch viele Männer von diesem zur Show gestellten Körperkult betroffen. Bilder und Videos sind digital nachbearbeitet. Dazu gibt es einen schönen, kleinen aber eindrucksvollen Clip. https://www.youtube.com/watch?v=2rsx6owSAAE
Leider fallen viele Menschen darauf rein und versuchen ihren realen Körper an das Bild im Kopf anzupassen. Mit Gewalt. Mal mit Sport, Ernährung und Kosmetik, mal auch mit Skalpellen, Fettabsaugern, Silikon oder anderen körperlichen Eingriffen. Es wird immer schwerer zwischen digitaler und realer Welt zu differenzieren, weil alles miteinander verschwimmt. Sind Likes nur Klicks, oder echte Menschen? Irgendwas dazwischen. In manchen Kommentaren wird offensichtlich vergessen, dass gegenüber ein menschlicher Leser sitzt. Und auf der anderen Seite, ist ein FB-Like eben keine echte Anerkennung, sondern nur ein Klick. Öffentliche Personen werden mit Hilfe der Medien „nahe“ gebracht. Aber es zeigt natürlich kein realistisches Bild. Selbst wenn es in der Promi-Welt ein bisschen wahren Kern hat, Übertragungen sind mit Vorsicht zu genießen. Ich werde zumindest den Satz einer eigentlich guten Freundin nach der Geburt meines ersten Kindes nie vergessen: „Figurprobleme? Bei Heidi Klum hat das doch auch geklappt.“
Darin sind beide Phänomene vereint. Zuerst soll man ein verzerrtes weibliches Körperbild übernehmen und sich zueigen machen, und dann im zweiten Schritt auch noch mediale Lebensirealitäten kopieren. Wohin ein unbedarfter Umgang führen kann – zum Ende dieser Freundschaft, zu Essstörungen, kaputten Identitäten, medizinischen Verstümmelungen – Jedenfalls nicht zum Wohle. Nicht zum Sein. Nicht zur Existenzform des Seins, wie sie der Soziologe und Psychoanalytiker Erich Fromm beschrieben hat. Allenfalls, wenn alles gut geht, zum Haben. Zum Haben eines ästhetischen Körpers, zum Haben einer Fassade hinter der jemand versucht zu Überleben.

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