Donnerstag, 24. März 2016

Weiter geht's



"Das Gefühl der Welt" ist ein soziologisches Buch von Heinz Bude. Es geht um gesellschaftliche Stimmungen. Im Gespräch mit Svenja Flaßpöhler auf der Buchmese benutzt er das Wort Schweigespirale. Oder Strudel des Schweigens? Ich weiß es nicht mehr. Aber das Schweigen, das sich einstellt, wenn man sich selbst vor seinen Freunden nicht mehr traut zu sagen, was man fühlt. Dieses Schweigen kann eine Dynamik bekommen. Ja, zum Beispiel in Bewegungen münden, die alles mit "das wird man doch mal sagen dürfen" beginnen. Es sind Zeichen der Angst. Nicht die des Aufbruchs und der Freiheit. Als Aufbruchstimmung benennt er die Hippie-Zeit Ende der 1960er. Ich habe das nicht erlebt damals, aber ich glaube nicht, dass es da Usus war, sich für seine Gefühle zu entschuldigen. Im Gegenteil. Wir, heute, leben eher in Zeiten der Angst. Zeiten des Misstrauens. Dabei sind die Ängste auf die ich treffe durchaus unterschiedlich. Angst vor fremdem. Angst vor Fremden. Angst davor nicht mithalten zu können. Angst davor nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein. Angst davor, den Erwartungen nicht zu entsprechen. Nicht mehr dazu zu gehören. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Auch ich habe Angst. Ich verurteile niemanden dafür, dass er Angst hat. Ich beurteile sie auch nur sehr ungern. Was ich möchte, das ist verstehen. Verstehen, was Menschen fühlen. Und warum. Angst ist gefährlich. Denn aus Angst machen die Menschen die unmenschlichsten Sachen. Dagegen hilft nur Empathie, Mitgefühl, echtes Verstehen. Angst moralisch zu verurteilen, führt sicher nicht dazu dass jemand weniger Angst hat. Erst wenn man die Angst hinter den Meinungen, den Aussagen und den Handlungen versteht, kann man ihr begegnen und vielleicht etwas ändern. Angst kann man nicht mit Abschreckung bekämpfen. Auch nicht mit Bestrafung. Und moralische Appelle an die Solidarität? Sind leider auch nur Öl im Feuer des Gefühls der eigenen Ungenügsamkeit.  Auch wenn sie noch so gut gemeint sind.

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