Dienstag, 22. März 2016

Leipzig - Buchmesse


Ich war auf der Buchmesse in Leipzig, in Sachsen. Ja, genau, das Sachsen mit Pegida. Da wo es Nazis gibt, die sich nicht einmal dafür schämen. Und da wo es Linke gibt, die viel offener und radikaler sind, als ich es sonst kenne. Auf der Buchmesse laufen verdammt viele Leute rum. Viele verschiedene. Sehr verschiedene, denn schließlich ist auch Manga Comic Convention. Manche sehen stattdessen sehr geschäftsmäßig aus. Leute von Verlagen, die über Karrieren entscheiden. Denn Bücher und Kapitalismus, das gehört schon zusammen. Eine Messe ist Marketing. Hier soll etwas verkauft werden. Text, Bücher, Gedanken? Personen? Wo ist die Grenze? Wann verkauft ein Autor sich selbst, seine Person? Wann eine Leistung? Der Übergang ist unscharf. Ein Chirurg wird nicht öffentlich gefragt, wie er sich gefühlt hat im OP. Ein Autor schon.
Ronja von Rönne. Ich habe letztes Jahr das erste mal ihren Namen wahrgenommen. Da schrieb sie bei Facebook, dass sie ihren Blog Sudelheft vorübergehend offline gestellt hat. Weil sie den Shitstorm nicht mehr ertragen könnte. Ich hatte sie als Facebook-Freundin. Weil ich in meinen Anfängen bei Facebook einfach wahllos überall draufgeklickt hatte. Und dabei viele "Freunde" hatte, ohne zu wissen wer es ist. Nicht alle hatten diese wahllosen Anfragen angenommen, Ronja schon. Ich nehme an, sie hat nichts gegen weitere Leser. Meine Art Facebook-Freunde zu konsultieren hat mir noch so einige Überraschungen eingebracht, aber dazu später. Damals hatte ich also Ronja von Rönne recherchiert. Ihren Anti-Feminismus Artikel gelesen und  die Reaktionen darauf. Auf der Buchmesse habe ich sie persönlich gesehen. Als sie ihren ersten Roman vorgestellt hat. Sie sagte: "Ich bin halt so. Und jetzt werde ich dabei gesehen."
Das hat mich sehr beeindruckt. Ich finde es schwer zu sehen, was an ihr authentisch ist und was Marketing. Aber es wäre auch legitim, wenn diese junge Frau, das selbst nicht mehr weiß. "Kennen tun mich nur die Menschen mit denen ich Weihnachten feiere" hat sie gesagt. Das klingt wie ein Mantra, das ihre Mentorin ihr gesagt hat, damit die öffentlichen Schläge nicht ganz so unbarmherzig auf sie einprasseln. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es ihr hilft. Aber vielleicht irre ich mich auch, denn ich gehöre sicher nicht zu den Menschen, die Sie kennen. Warum berührt es mich überhaupt? Warum schreibe ich das hier alles? Weil es eine wichtige Frage betrifft, auch für mich. Wer darf mich sehen? Nur die NSA? Oder auch jeder der eine Zeitung aufschlagen kann? Wir verschließen die Vorhänge, damit die Nachbarn nicht reingucken können und schreiben dann Intimitäten ins Internet. Ist das dumm? So wie einen jeder Datenschützer glauben lässt. Ist das naiv? Oder ist es zeitgemäß? Ich habe 1984 gelesen. Und es verfolgt mich bis heute. Jeder trägt seine digitale Überwachung ständig mit sich herum und gibt unendlich viel von sich preis. Aber die Antworten darauf, wie man damit umgehen soll, kommen meist von der Generation meiner Eltern und sind von Angst geprägt. Ich finde sie nicht hilfreich. Ist Angst dabei ein guter Ratgeber? Irgendwo zwischen schweigender Zurückhaltung  und schreibender oder schreiender Offenbarung wird mein Weg liegen.

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